TANZ AUS NRW IN NRW UND DARÜBER HINAUS SICHTBAR MACHEN





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TANZweb.org


Recherche, Arbeitsprozesse und Auseinandersetzungen im und mit dem TANZ und vor Allem die daraus entstehenden Werke und die damit verbundenen Künstlerpersönlichkeiten sichtbar und erlebbar zu machen, ist eines der zentralen Themen von SEEDance, der Trägergesellschaft von TANZweb.org.


Das Schreiben von TANZ und die Interpretation dieser "Texte" und deren Autoren durch die Tanzkünstler (aber auch die Rezeption dessen in Wort und Bild) liefern Gesellschaften und Individuen gleichermaßen authentische Ansätze für Gestaltungs- und Überlebensstrategien des Einzelnen in einer zeitgenössischen Wirklichkeit und der Fiktion und Vorbereitung einer nahen Zukunft.


Die Kunstform TANZ konzentriert sich weitgehend auf die letzte Bastion des Individuums zur Bestimmung seiner Identität in einer globalen und weitgehend virtuellen Welt: den eigenen Körper und dessen unverwechselbare Abgrenzung, Dynamik und Bewegung in Raum und Zeit.


Aufbauend auf die Erfahrungen und Erfolge von tanZwebkoeln.de soll beginnend in 2014 mit der konsequenten Ausweitung zunächst auf die südliche Rheinschiene, sukzessive das proklamierte Tanzland NRW in seinen einzelnen Hochburgen, Zentren und Ballungsgebieten erfasst und begleitet werden.


Das NRW KULTURsekretariat (Wuppertal) | Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die Sichtbarmachung von Tanzstädten und -regionen in NRW in Kooperation mit TANZweb.org


Als Ziel haben wir uns als Unternehmen TANZweb.org, gemeinsam mit privaten Mäzenen und Förderern, vorgenommen, das "TANZwebNRW.de" (und darüber hinaus) in naher Zukunft in ein europäisches Netzwerk einzubinden.

 

NRW

VOLL HUMOR UND POESIE


Ein bildgewaltiges Tanzereignis - TEN CHI im Wuppertaler Opernhaus soeben zu Ende gegangen


ZU DEN VIDEOIMPRESSIONEN


2004 ist das Stück entstanden und nach 2012, als diese Kreation von Pina Bausch letztmals in London zu sehen war, tanzte nun, bis auf wenige Ausnahmen, die Originalbesetzung dieses humorvolle und ungewöhnlich leichte Werk der genialen Tanzschöpferin in der Heimatstadt des Wuppertaler Tanztheaters vor begeisterter und längst ausverkaufter Kulisse.


©TANZweb.org_Klaus Dilger_Kenji Takagi und Dominique Mercy


©TANZweb.org_Klaus Dilger_Julie Shanahan, Pascal Merighi und Thusnelda Mercy


Melanie Suchy war für uns dabei:


Luft anhalten


Die bejubelte Wiederaufnahme von „Ten  Chi“ des Wuppertaler Tanztheaters Pina Bausch


Weiß auf Schwarz, sie fallen und fallen und fallen. Schneeflocken, Himmelsblüten. Herab, herab, während die dunkle Walschwanzflosse aus dem Boden nach oben ragt. Wie inmitten einer Bewegung erstarrt, mit einem leichten Schwung in der waagerecht fliegenden Doppelflosse, so dass dies auch Stamm und Krone eines stilisierten Baumes sein könnte. „Ten Chi“ ist das Japan-Stück von Pina Bausch, das 2004 im Schauspielhaus Wuppertal Premiere hatte. Mit diesem Bühnenbild von Peter Pabst, das Luft und Wasser kombiniert, Schwere und Leichtigkeit, verführt es das Auge fast zu sehr. Gemeinsam mit einem Walrückenhügelchen weiter hinten auf der Bühne, bildet der imposante Körperteil im zunächst mondkühlen Licht eine offene Landschaft mit vorn und hinten, Nähe und Ferne, in der die Tänzer manchmal wie beschirmt oder gerahmt von einem riesigen kalligraphierten Zeichen wirken. Das sie übrigens auch nie berühren. Wie schön. Und welcher Zuschauer hebt nicht ab und an die Augen über das bodennahe Geschehen hinaus und versenkt sich in das friedliche Flockenblütengestöber, das mal dichter, mal loser ist, aus unendlich vielen Bewegungen besteht, einem Flirren, Taumeln, Schweben, Sinken, Stürzen, man verliert so angenehm den Halt, lässt das Denken los. Leere.


©TANZweb.org_Klaus Dilger_Jorge Puerta Armenta und Regina Advento


Vielleicht ist das eines der Japan-Themen, die als  Mitbringsel der mehrwöchigen Recherchereise mit dem Ensemble in das Stück gefüttert wurden. Es ist zwar ein Klischee, doch immerhin ein künstlerisch interessantes. Auch der Wal ist ja eines, als schwimmende Delikatesse; so dass diese Flosse das Denkmal einer bedrohten Art sein könnte. Oder ein Wegweiser zum Tod. Die Katastrophe von Fukushima passierte später. „Ten Chi“ weiß nichts davon, das kann man dem Stück nicht vorwerfen. Aber manche der gespielten kurzen Szenen, die sich auf angeblich Typisches oder in Japan Erlebtes beziehen, wirken noch alberner mit ihrem gespielt naiven Ton als früher. Doch es gibt auch großartige Szenen. Einige der Tanzsolos gehören dazu. Überhaupt besteht das ganze Stück aus auffällig vielen Solos, dazu ein paar Zweiermomente; aber im Grunde flocken hier die Menschen wie die fallenden Blüten alleine vor sich hin. Herab.



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Mechthild Grossmann in TEN CHI
Jonathan Fredrickson und Aida Vainieri
 

TEN CHI - EIN BILDGEWALTIGES EREIGNIS

©TANZweb.org_Klaus Dilger_ Julie Anne Stanzak in TEN CHI

...UND DANN SAGTE SIE EINFACH „TSCHÜSS“


MECHTHILD GROßMANN UND HIROHIKO SEJIMA - EIN INTERVIEW


In einem Interview anlässlich Ihres sechzigsten Geburtstages war die Überschrift (in Analogie zur Ikone des deutschen Schauspiels, Peter Zadek und dessen Protagonisten seiner Inszenierungen, Ulrich Wildgruber) zu lesen: "Pina's Wildgruber", was nicht mehr und nicht weniger sagen wollte, als dass das Tanztheater Pina Bausch's ohne sie (Mechthild Großmann) wohl anders ausgesehen hätte.



Anlässlich der Aufführungsserie des in 2004 entstandenen "Japan-Stücks" von Pina Bausch "TEN CHI" im Wuppertaler Opernhaus im Juli 2017 ( entstanden in Kooperation mit der Prefäktur Saitama, der Saitama Arts Foundation und dem Nippon Cultural Center ) und der Sorge, dass diese letzte gemeinsame Arbeit mit Pina (in 2004) für Mechthild Großmann, seit 1976 eine der wichtigsten Ikonen der Arbeit der genialen Tanzschöpferin Pina Bausch und des Wuppertaler Tanztheaters, auch die letzte Produktion gewesen sein könnte, in der sie für das Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch aufgetreten ist, baten wir Mechthild Großmann um dieses Interview.


41 Jahre lang war sie in jeder Spielzeit in den Stücken von Pina Bausch zu sehen. Nun, mit 69 Jahren, befindet sie, die eigentlich Schauspielerin gelernt hatte und noch immer mit ausserordentlich grossem Erfolg ist, mit der ihr eigenen Ironie, "sei es langsam an der Zeit, sich aus dem Ballett zurück zu ziehen".


Wir hatten das grosse Glück, für dieses Gespräch einen der renommiertesten Tanzkenner des klassischen und zeitgenössischen Tanzes gewinnen zu können, den japanischen Tanzkritiker Hirohiko Soejima, der die Arbeit von Pina Bausch seit mehr als dreissig Jahren begleitet.


Für TANZwebWUPPERTALde führte er dieses Gespräch auf Deutsch mit Mechthild Großmann (hierfür unser ausserordentlicher Dank!), die sich gewünscht hatte, dieses an dem Ort zu führen, an dem sie Pina Bausch zum ersten Male begegnet war: der Hinterbühne der Wuppertaler Oper.


Während des aufgezeichneten Gesprächs waren die Bühnenarbeiter damit beschäftigt, die Bühne für die nächste Aufführung von TEN CHI herzurichten, weshalb gelegentlich deren Industriestaubsauger sich deutlich hörbar über die Stimmen der Gesprächsführenden legen. Mechthild Großmann fand dies wunderbar, weil es das Bühnenleben widerspiegelt, wie es wirklich ist, also werden wir uns für diese technische Imperfektion auch nicht entschuldigen.

Wir wünschen allen Betrachtern spannende 20 Minuten.





Hirohiko Soejima,
ist einer der renommiertesten Tanzkritiker Japans und lehrt seit 2003 als Professor am "Collaege of Arts" (germanistisches Seminar), der Rikkyo University, Tokyo, Japan.

Ein Auszug aus seinen Publikationen (veröffentlicht auf Japanisch):
Vom Ritus zur Attraktion - Kecak im Tourismus von Bali (Eureka, 29/10, 1997); Comtenporary Dance in Europa, in: Japanese contemporary dance media (Tokyo Photographic Art Museum, Ausstellungskatalog, 2005); Die Resonanz vom Tanztheater (Theatre Arts, 40, 2009), Kultureller Föderalismus und Tanzplan Deutschland: Über die Förderung des Tanzes in Deutschland (2009); Der moderne Tanz in Deutschland, in: Ballett- und Tanzgeschichte (Heibonsha Verlag, 2009); Die Wasserader von Tableau vivant (Aspekt, Sonderheft, 2014).

 

„BREMER PLATZ“ von bodytalk in Münster


Politisches Tanztheater der leider eher seltenen Art: "BREMER PLATZ" von bodytalk in Münster, mit Betroffenen, für die dieser Platz "Heimat" ist und mit professionellen Tänzern und Musiker:


Während Münster seine „Skulpturen-Projekte 2017“ zelebriert, soll eine Skulptur im Zentrum der Stadt verschwinden. Weshalb? -  bodytalk fragt nach:

„...Diese urbane Skulptur verschwindet nun auch, nach nicht einmal 30 Jahren. Und die, die den Brunnen täglich besessen haben, müssen künftig anderswo die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Aber was sind das eigentlich für Verhältnisse? bodytalk, die Compagnie Yoshiko Waki und Rolf Baumgart, schaut genauer hin. Ihr Tanztheater mit Livemusik spürt den Wind of Change am Ort des Geschehens.

Randgruppen im Zentrum der Stadt: Bringen sie die Verhältnisse zum Tanzen?...“


Von und mit Charlotte Goesaert, Christiane Weiß, Damian Kai Norman, David Tesfamariam, Detlef Antemann, Elina Pohjonen, Gabriele Töller, Hanne, Lennart, Lioba Schmidt, Marc Blum, Mareike Fiege, Melanie, Nina Karimy, Petra Heyden, Rolf Baumgart, Till Bleckwedel, Xenia Prüßner, Yoshiko Waki, Zazou


Produktion bodytalk Koproduktion Theater im Pumpenhaus Kooperation Indro e.V.

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und vom Kulturamt der Stadt Münster



Eine Veranstaltung der Ruhrtriennale

PACT Zollverein: 25.08.19:00 Uhr | 26. und 27.08.18:00 Uhr

RICHARD SIEGAL

THREE STAGES:

MODEL - IN MEDIAS RES - EL DORADO



2015: Inferno. 2016: Fegefeuer. In der Logik von Dantes ›Göttlicher Komödie‹, die Ausgangspunkt von Siegals Ruhrtriennale-Trilogie ist, steht am Ende der Jenseitsreise –  in ›El Dorado‹, Siegals neuem Stück 2017 –  die Erlösung in himmlischen Sphären. Bei der Ruhrtriennale 2017 präsentiert der amerikanische Choreoraph die gesamte Trilogie als abendfüllendes Opus Magnum, das religiöse und politische Diskurse der Gegenwart genauso berührt wie Fragestellungen von Identität. Die Inszenierungen der vergangenen beiden Spielzeiten – ›Model‹ von 2015 und ›In Medias Res‹ von 2016 – werden für diesen großen Rahmen noch einmal überarbeitet und münden direkt in die neue Produktion ›El Dorado‹. Zwischen klassischem Ballett und zeitgenössischem Tanz arbeitet Siegal bei der Zusammenführung der einzelnen Teile der Jenseitstrilogie vor allem mit Tänzer*innen seiner neu gegründeten Kompanie Ballet of Difference. Sie nehmen das Publikum mit auf eine Tour de Force durch das Inferno über den Läuterungsberg bis ins Paradies, das bei Siegal als utopisches ›El Dorado‹ erscheint, in dem sich Projektionen des Göttlichen mit der menschlichen Identitätskrisen mischen.

©Ursula Kaufmann